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Kommunion für nichtkatholische Brautleute

Dürfen Brautleute, die nicht katholisch sind, in der Brautmesse die hl. Kommunion empfangen?

In beinahe jedem Brautleuteseminar entsteht die Frage, ob nicht-katholische Christen denn in der Brautmesse auch die Kommunion empfangen dürfen.

Zum ersten Mal begegnete ich dieser Frage im Jahre 1968, als eine Freund mich bat, die Hochzeitsmesse für ihn und seine Braut zu halten. Die Braut, eine überzeugte evangelische Christin, erklärte: „Ich glaube hinsichtlich des Abendmahles genau das, was ihr auch glaubt. Darum gehe ich in der katholischen Messe immer zur Kommunion. Das möchte ich bei unserer Hochzeit auch.“

Als junger Kaplan im 2. Dienstjahr hatte ich Bedenken und bat den damaligen Regens des Priesterseminars der Erzdiözese Köln, Prälat Rudolf Pfeiffer, um Rat. – Er riet mir sinngemäß folgende Praxis: Das Zweite Vatikanische Konzil lässt gläubige Mitglieder der orthodoxen Kirchen zur Kommunion zu, wenn sie von sich aus gläubig um das Sakrament bitten. – Wenn die evangelische Braut (oder auch ein evangelischer Bräutigam) in diesem Sinne gläubig um das Sakramente bitten, da lassen Sie sie zur Kommunion zu. In diesem Falle gilt für evangelische Christen dasselbe wie für die orthodoxen Christen. Sie sind ja gültig getaufte Christen.

Seit 1968 halte ich es in der Praxis nach einem intensiven Gespräch über unser Eucharistieverständnis mit evangelischen Brautleuten so. Etwa die Hälfte der evangelischen Partner möchte dann die Kommunion empfangen, die andere Hälfte verzichtet bewusst auf die Teilnahme.

Im Zusammenhang mit der Eucharistiefeier zur Bestattung von Papst Johannes Paul II kam noch während der Messefeier telefonisch folgende Anfrage auf mich zu: Haben Sie das eben gesehen. Kardinal Ratzinger hat dem evangelischen Roger Schutz die Kommunion gereicht. Das geht doch nicht! Oder?

Der Fragerin habe ich sofort geantwortet und darüber hinaus folgenden Brief geschrieben, damit ihr die Information auch schriftlich vorliegt:

Liebe Frau N.,
die Szene, in der Roger Schutz aus Taizé und seine Begleiter die Kommunion empfangen haben, habe ich selbst im Fernsehen beobachtet. Kardinal Ratzinger hat sich genau an die Weisungen Papst Johannes Pauls II. gehalten.

In den Enzykliken „Ut unum sint“ und „Ecclesia de Eucharistia“ hat der Papst zwar die Interkommunion und die gemeinsame Zelebration des Abendmahles abgelehnt. Das hat gute Gründe.

Ich begegnete der evangelischen Leiterin des PI (Religionspädagogisches Institut der evangelischen Landeskirche im Rheinland) in Godesberg – Sie ist eine promovierte evangelische Theologin – in einem Gespräch mit einem katholischen Dogmatikprofessor. Dieser hatte versucht, der evangelischen Theologin zu erklären, dass sie in der evangelischen Kirche doch, ebenso wie wir, eine Ordination hätten.

Da erklärte sie mit Nachdruck: „Bei uns gibt es keine Weihe und keine Wandlung“.

Der Dissens ist so deutlich, dass es aus Glaubensgründen keine generelle Interkommunion geben kann. Konzelebration und eine generelle Interkommunion werden daher von uns aus Glaubensgründen abgelehnt.

Wenn aber einzelne nichtkatholische Christen gläubig um die Sakramente bitten, dann dürfen katholische Priester ihnen diese Sakramente (beachten: Plural) spenden. - Damit wird eine Regelung des Vaticanum II für die Mitglieder orthodoxer Kirchen auf die Mitglieder der „kirchlichen Gemeinschaften“ (=Kirchen des westlichen Schismas) angewendet.

Eine Begründung für diese Praxis finden wir in den letzten Enzykliken von Papst Johannes Paul II

 

Auszug aus der Enzyklika ECCLESIA DE EUCHARISTIA
betreffend die Interkommunion.

45. Wenn auch beim Nichtvorhandensein der vollen Gemeinschaft die Konzelebration in keinem Fall statthaft ist, so trifft diese Zurückhaltung nicht zu hinsichtlich der Spendung der Eucharistie unter be­sonderen Umständen und gegenüber einzelnen Personen, die zu Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften gehören, welche nicht in der vollen Gemeinschaft mit der Katholischen Kirche stehen. In diesem Fall besteht die Zielsetzung in der Tat darin, einem schwerwiegenden geistlichen Bedürfnis im Hinblick auf das ewige Heil einzelner Gläubiger zu entsprechen, nicht aber darin, eine Interkommunion zu praktizieren, die unmöglich bleibt, solange die sichtbaren Bande der kirchlichen Gemeinschaft nicht vollständig geknüpft sind. In diesem Sinne hat sich das Zweite Vatikanische Konzil verhalten, indem es die zu befolgende Praxis gegenüber den Orientalen bestimmte, welche, in gutem Glauben getrennt von der Katholischen Kirche lebend, spontan um den Empfang der Eucharistie aus der Hand eines katholischen geweihten Amtsträgers bitten und in rechter Weise darauf vorbereitet sind.95 Diese Vorgehensweise ist des weite­ren von den beiden Codices bestätigt worden, in denen mit den entsprechenden Anpassungen auch der Fall der anderen, nicht orientali­schen Christen berücksichtigt wird, die nicht in der vollen Gemein­schaft mit der Katholischen Kirche stehen.96

46. In der Enzyklika Ut unum sint habe ich selbst meine Wertschätzung für diese Norm zum Ausdruck gebracht, die es erlaubt, mit angemessenem Urteilsvermögen für das Heil der Seelen Sorge zu tragen: „Ein Grund zur Freude ist in diesem Zusammenhang, daran zu erinnern, dass die katholischen Priester in bestimmten Einzelfällen die Sakramente der Eucharistie, der Buße und der Krankensalbung anderen Christen spenden können, die zwar noch nicht in voller Gemeinschaft mit der Katholischen Kirche stehen, aber sehnlich den Empfang der Sakramente wünschen, von sich aus darum bitten und den Glauben bezeugen, den die katholische Kirche in diesen Sakramenten bekennt. Umgekehrt können sich in bestimmten Fällen und unter besonderen Umständen auch die Katholiken zum Empfang derselben Sakramente an die Geistlichen jener Kirchen wenden, in denen sie gültig gespendet werden“.97

Es tut Not, diese Bedingungen, die unumgänglich sind, genau zu beachten, obgleich es sich um begrenzte Einzelfälle handelt. Denn die Ablehnung einer oder mehrerer Glaubenswahrheiten hinsichtlich dieser Sakramente und, unter diesen, die Leugnung jener Wahrheit, welche das zu ihrer Gültigkeit unabdingbare Erfordernis des Weihepriestertums betrifft, macht den Bittsteller indisponiert für den Empfang bzw. für die rechtmäßige Spendung der Sakramente. Und auch umgekehrt wird ein katholischer Gläubiger die heilige Kommunion in einer Gemeinschaft, in der das gültige Weihesakrament nicht vorhanden ist. nicht empfangen können.98

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Anmerkungen:

95          Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret über die katholischen Ostkirchen Orientalium Ecclesiarum, 27.

96          Vgl. CIC, can. 844 §§ 3-4; CCEO, can. 671 §§ 3-4.

97          Johannes Paul II., Enzyklika Ut unum sint (25. Mai 1995), 46: AAS 87 (1995), 948.

98          Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio, 22.